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Sportzahnmedizin
Mehr als nur Sportmundschutz

Sportzahnmedizin klingt nach einem Randthema für Profisportler. Tatsächlich betrifft sie deutlich mehr Menschen, denn der Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und körperlicher Belastung wird im Breitensport genauso relevant wie in der Bundesliga.

Sportzahnmedizin – Mehr als nur Sportmundschut

Was Sportzahnmedizin eigentlich umfasst

Der Bereich beschäftigt sich im Grunde genommen mit zwei Fragen: Wie schützt man Zähne und Kiefer vor Verletzungen, und wie wirken sich Zahn- und Kiefergesundheit auf den Bewegungsapparat aus? Beides greift ineinander. Ein Sturz beim Mountainbiken, ein Ellenbogen beim Basketball, ein Kopfball im Fußball: Kontaktsport und schnelle Bewegungen bringen ein Risiko für Zahn- und Kieferverletzungen mit sich, das viele unterschätzen.

Der Sportmundschutz

Das bekannteste Instrument ist die Sport-Zahnschiene, auch Mundschutz genannt. Konfektionierte Modelle aus dem Handel sitzen oft locker und werden beim Sprechen oder Atmen als störend empfunden. Eine individuell im Labor gefertigte Schiene wird dagegen nach einem Abdruck der Zähne angepasst. Sie sitzt fester, lässt mehr Luft zum Atmen und wird beim Tragen weniger als Fremdkörper wahrgenommen. Gerade für Kinder und Jugendliche mit fester Zahnspange gibt es spezielle Varianten, die den Schutz mit der laufenden Behandlung vereinbaren. Wie die Anfertigung abläuft, was sie kostet und welche Varianten es bei fester Zahnspange gibt, finden Sie auf unserer Seite zum Sportmundschutz.

Warum der Mund den ganzen Körper betrifft

Weniger sichtbar, aber medizinisch gut begründet ist der Einfluss der Mundgesundheit auf den restlichen Organismus. Entzündungen im Mundraum, vor allem am Zahnfleisch und am Zahnhalteapparat, bedeuten eine dauerhafte bakterielle Belastung. Über die Blutbahn können diese Erreger und die von ihnen ausgelösten Entzündungsreaktionen andere Bereiche des Körpers erreichen. Der Körper reagiert darauf mit einer messbar erhöhten Entzündungsaktivität, auch dann, wenn im Mund selbst keine Beschwerden auftreten.

Für Sportler ist das aus zwei Gründen relevant. Erstens beansprucht eine unbemerkte Entzündung das Immunsystem und kann die Regeneration nach dem Training beeinträchtigen. Zweitens gibt es Hinweise, dass eine erhöhte Entzündungslast die Heilung von Verletzungen an anderer Stelle, etwa an Muskeln, Sehnen oder Gelenken, verlangsamen kann. Ein gesunder Mund ist damit kein isolierter Faktor, sondern Teil der allgemeinen körperlichen Grundlage. Wer sportlich viel investiert, sollte diese Basis nicht außer Acht lassen.

Warum Sport eigene Risiken mitbringt

Wie verbreitet Probleme im Mund bei Sportlern sind, zeigt eine Untersuchung in der Zahnklinik im Olympischen Dorf von London 2012: Bei den über 300 untersuchten Athletinnen und Athleten aus 25 Sportarten fanden sich bei 55 Prozent Karies, bei 45 Prozent Zahnerosionen und bei 76 Prozent eine Zahnfleischentzündung. Fast die Hälfte war im Jahr zuvor nicht zur Kontrolle oder Prophylaxe gegangen, und 18 Prozent gaben an, ihre Mundgesundheit beeinträchtige Training oder Wettkampf. Leistungssport schützt also nicht vor Problemen im Mund.

Leistungssport schützt also nicht vor Problemen im Mund, sondern er bringt teils eigene Risikofaktoren mit. Zucker- und säurehaltige Sportgetränke greifen den Zahnschmelz an, und die Mundatmung bei intensiver Belastung reduziert den Speichelfluss, der die Zähne normalerweise schützt. Wer viel trainiert, sollte deshalb regelmäßig zur Kontrolle.

Kieferorthopädie und Sport

Auch mit einer laufenden kieferorthopädischen Behandlung ist Sport gut vereinbar, es lohnt sich aber, ein paar Punkte zu kennen. Bei fester Zahnspange erhöhen die Brackets das Risiko von Verletzungen der Lippen- und Wangenschleimhaut bei einem Schlag oder Sturz. Hier ist ein passender Mundschutz besonders wichtig, und er sollte auf die Spange abgestimmt sein.

Wer mit durchsichtigen Alignern behandelt wird, hat es hier etwas leichter: Es gibt keine Brackets, die die Schleimhaut verletzen können. Aligner sind allerdings kein Schutz. Sie sind dünn und nicht auf Aufprallkräfte ausgelegt und werden für den Sport herausgenommen. Der Mundschutz kommt an ihre Stelle, nicht darüber. Ein Punkt ist dabei wichtig: Die Attachments. Das sind kleine Kunststoffhöcker, die während der gesamten Behandlung auf den Zähnen verbleiben, auch bei herausgenommener Schiene. Ein Mundschutz muss sie berücksichtigen. Ein Abdruck von vor Behandlungsbeginn passt deshalb im Verlauf nicht mehr. Die Schiene wird passend zum aktuellen Behandlungsstand angefertigt.

Kiefer, Haltung und Muskulatur

Ein weiterer Aspekt ist das Zusammenspiel von Kiefergelenk und Körperhaltung. Die Kaumuskulatur steht über Faszien und Nervenbahnen mit der Nacken- und Rückenmuskulatur in Verbindung. Verspannungen im Kiefer und muskuläre Beschwerden im Schulter-Nacken-Bereich treten deshalb häufig gemeinsam auf. In der Forschung wird diskutiert, inwiefern eine ausgeglichene Bisssituation die muskuläre Balance unterstützen kann. Pauschale Versprechen zur Leistungssteigerung sind hier allerdings unseriös, denn die Studienlage ist uneinheitlich und stark vom Einzelfall abhängig. Mehr dazu, wie eng Kiefer und Muskulatur zusammenhängen, lesen Sie in unserem Beitrag zu CMD und Kieferschmerzen.

Diagramm Muskeln Kiefer, Hals und Rücken

Wann ein Blick lohnt

Sinnvoll ist eine Betrachtung vor allem dann, wenn regelmäßig Kontaktsport betrieben wird, wenn nach dem Training häufig Kiefer- oder Nackenbeschwerden auftreten, oder wenn Kinder und Jugendliche mit Zahnspange sportlich aktiv sind. Der letzte Punkt betrifft die meisten: Handball im Schulsport, Fußball im Verein, Basketball, Judo oder Boxen. Ein Ellenbogen oder ein Sturz auf den Mund ist dort keine Ausnahme, sondern Alltag. Ein gut sitzender Mundschutz kostet wenig Aufwand und schützt genau dort.

In einem Beratungsgespräch in unserer Praxis in der Kölner Südstadt lässt sich klären, ob eine individuelle Schiene infrage kommt und worauf im jeweiligen Sport zu achten ist. Vereinbaren Sie gern einen Termin.

Quellen
Needleman I. et al.: Oral health and impact on performance of athletes participating in the London 2012 Olympic Games. British Journal of Sports Medicine 2013;47(16):1054–1058. doi.org/10.1136/bjsports-2013-092891