Warum überhaupt ein Retainer?
Die Zeit nach der aktiven Behandlung nennt man Retentionsphase. In dieser Phase muss sich das Gewebe rund um die Zähne an die neue Position gewöhnen. Ohne Stabilisierung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich Zähne wieder verschieben, egal ob die Korrektur mit einer festen Zahnspange oder mit Alignern erfolgt ist. Der Retainer hält, was die Behandlung erreicht hat. Einen ausführlichen Überblick über unsere Lösungen finden Sie auf unserer Retainer-Seite.
Feste Retainer
Der feste Retainer ist ein dünner Draht, der auf der Innenseite der Zähne befestigt wird. Von außen ist er nicht sichtbar und dauerhaft im Mund.
Vorteile: Er wirkt rund um die Uhr, ohne dass man daran denken muss. Kein Herausnehmen, kein Vergessen, keine Frage der Disziplin. Gerade bei Patientinnen und Patienten, die eine zuverlässige Lösung ohne Eigenaufwand wünschen, ist das ein klarer Pluspunkt.
Nachteile: Die Mundhygiene wird etwas aufwendiger, weil rund um den Draht sorgfältiger gereinigt werden muss. Die Zahnzwischenräume erreichen Sie am besten mit Zahnseide für Brücken oder mit Interdentalbürsten.
Technisch hat sich hier in den letzten Jahren viel getan. Am Anfang steht heute meist ein digitaler Intraoralscan, der die Zähne ohne klassischen Abdruck dreidimensional erfasst. Auf Basis dieser Daten wird der Retainer am Bildschirm konstruiert und anschließend per Laser aus einem dünnen Nitinol-Band geschnitten, einer Nickel-Titan-Legierung mit besonderen Eigenschaften. Ein etabliertes Beispiel für diese Technik ist der MEMOTAIN-Retainer des deutschen Herstellers SCHEU-DENTAL, der im CAD/CAM-Verfahren aus Nitinol lasergeschnitten wird. Nitinol ist superelastisch und formstabil zugleich: Der Draht passt sich beim Einsetzen an, übt aber keine unerwünschten Kräfte auf die Zähne aus, sondern hält sie lediglich in Position. Weil die Form digital berechnet und maschinell geschnitten wird, sitzt der Retainer passiv und spannungsfrei auf der Zahnrückseite. Das reduziert das Risiko, dass sich einzelne Zähne durch Materialspannung ungewollt verschieben, und erhöht spürbar den Tragekomfort gegenüber einem von Hand gebogenen Draht.
Was bedeutet CAD/CAM eigentlich?
Der Begriff CAD/CAM taucht im Zusammenhang mit modernen Retainern immer wieder auf. Er steht für Computer-Aided Design und Computer-Aided Manufacturing, also computergestütztes Entwerfen und computergestützte Fertigung. Übersetzt heißt das: Der Retainer wird nicht mehr von Hand gebogen, sondern zuerst am Computer konstruiert (CAD) und anschließend von einer Maschine präzise hergestellt (CAM). Der Vorteil liegt in der hohen Passgenauigkeit, der gleichbleibenden Qualität und der Tatsache, dass sich die digitalen Daten speichern lassen. Geht ein Retainer verloren, kann anhand der gespeicherten Datei unkompliziert Ersatz gefertigt werden.

Herausnehmbare Retainer
Die zweite große Gruppe sind herausnehmbare Retainer. Am gebräuchlichsten ist die transparente Retentionsschiene, die passgenau über die Zahnreihe gesetzt wird. Daneben gibt es klassische Plattenapparate mit Kunststoffbasis und Haltebogen.
Auch die Herstellung ist heute überwiegend digital. Für die transparente Schiene wird zunächst ein Modell der Zahnreihe erzeugt, entweder aus dem Intraoralscan 3D-gedruckt oder digital berechnet. Darüber wird im Tiefziehverfahren eine dünne, klare Kunststofffolie unter Hitze und Druck exakt an die Zahnform angepasst. Die Foliendicke lässt sich je nach gewünschter Stabilität und Tragedauer wählen. Plattenapparate bestehen dagegen aus einer Kunststoffbasis am Gaumen und einem Metallbogen, der die Frontzähne hält, und lassen sich bei Bedarf nachjustieren. Ein Vorteil des digitalen Vorgehens liegt in der Reproduzierbarkeit: Geht eine Schiene verloren oder bricht sie, lässt sich anhand der gespeicherten Daten unkompliziert eine neue anfertigen, ohne dass ein komplett neuer Abdruck genommen werden muss.
Vorteile: Sie lassen sich zum Essen und zur Zahnpflege einfach herausnehmen, was die Reinigung erleichtert. Die transparente Schiene ist zudem beim Tragen kaum sichtbar.
Nachteile: Sie wirken nur, wenn sie auch getragen werden. Hier ist etwas Disziplin gefragt, und es besteht ein gewisses Verlustrisiko, etwa wenn die Schiene unterwegs in einer Serviette landet.
Viele Behandlungen kombinieren beide Prinzipien: ein fester Retainer im Unterkiefer und eine herausnehmbare Schiene im Oberkiefer. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom Ausgangsbefund ab.
Welches Material für welchen Anspruch?
Bei festen Retainern lohnt zunächst die Unterscheidung zwischen gebogenen und gefrästen beziehungsweise geschnittenen Varianten. Der klassische gebogene Drahtretainer wird individuell angepasst und ist flexibel einsetzbar, erlaubt aber weniger Präzision als die maschinelle Fertigung. Gefräste oder lasergeschnittene Retainer aus dem CAD/CAM-Verfahren sitzen dagegen besonders passgenau und gelten als bruchfester.
Bei den Materialien gibt es mehrere Optionen, die sich in ihren physikalischen Eigenschaften deutlich unterscheiden. Edelstahl gilt als robust, bewährt und vergleichsweise günstig, ist aber steifer als moderne Legierungen. Nitinol, die bereits beschriebene Nickel-Titan-Legierung, ist superelastisch und verteilt Kräfte gleichmäßig statt punktuell. Gefräste Retainer aus hochreinem Titan, etwa Titan Grad 5, sind besonders stabil, leicht und biokompatibel und eine gute Option bei Nickelallergie; ihre Bruchrate ist sehr gering.
Metallfreie Varianten kommen vor allem dann infrage, wenn eine Metallunverträglichkeit vorliegt oder Metall im Mund grundsätzlich vermieden werden soll. Zirkonoxid, eine Hochleistungskeramik, wird dafür im CAD/CAM-Verfahren gefräst: sehr fest, formstabil und zahnfarben. Hochleistungskunststoffe wie PEEK sind demgegenüber deutlich elastischer und dämpfen Kräfte stärker ab. Welches Material passt, richtet sich nach individuellen Anforderungen wie Verträglichkeit und mechanischer Belastung, und wird im Beratungsgespräch gemeinsam festgelegt.
Welcher Retainer passt zu wem?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn die Wahl hängt von mehreren Faktoren ab: vom Ausgangsbefund, von der Art der vorangegangenen Behandlung und von den persönlichen Vorlieben. Für Jugendliche kann ein fester Retainer praktisch sein, weil er kein tägliches Mitdenken verlangt. Erwachsene greifen häufig zur transparenten Schiene, weil sie herausnehmbar und unauffällig ist. In vielen Fällen ist aber auch bei Erwachsenen ein fester Retainer die stabilere Lösung, besonders bei ausgeprägter Rezidivneigung im Frontzahnbereich.
In einer persönlichen Beratung lässt sich am besten klären, welcher Weg zu Ihrer Situation passt.
